Der Tsunami spülte mich in die Hölle

Joey - 2005-01-01

Als mir klar wurde, dass ich ein Überlebender war, gingen die Bilder in den Nachrichten schon eine Woche um die Welt. Die Bilder die auf meiner Netzhaut brannten, hatten es in die Medien nicht geschafft. Ich hatte einige Freundinnen verloren, zwei von ihnen klammerten sich an mich bis ans Ende. Hätte ich den Ast losgelassen, wäre ich jetzt nicht in der Hölle. Den Blick in ihre verzweifelte Augen als sie hilflos davontrieben, eine wurde von dem Auto zertrümmert an dem sie sich festhielt, der anderen schrie ich noch nach, als sie zwischen den Häusern in den Dschungel gespült wurde. Als ich dachte, dass die Katastrophe endlich vollbracht war, wurde der Dschungel zurück ins Meer gespült. Zwischen den vorbeitreibenden, teilweise leblosen Körpern, konnte ich keine der beiden entdecken - ich hatte mir ein Ast von weiter oben abgebrochen, um ihn den Vorbeitreibenden entgegenzustrecken, keiner hatte ihn ergriffen...

Irgendwann wurde ich ohnmächtig, immer noch in der Angst, etwas könnte den Baum, auf den wir uns retten wollten, umreissen. Jedes mal, jeden Abend, wenn ich meine Augen schliesse, läuft der gleiche Film nochmal ab... einschlafen will ich nie, irgendwann verliere ich einfach das Bewusstsein vor Überanstrengung. Ein Paar Stunden später wache ich auf, und wache... ob die Toten mich endlich zu sich holen, als ob ich ungerechtfertigter Weise noch am leben wäre...

Ich bin »damals« innerhalb einer Woche ein anderer Mensch geworden, ich bin verändert, ich erkenne mich nicht wieder. Das Leben, »mein« Leben, wird niemals das selbe sein wie früher, nein, das Leben gibt es seither nicht mehr, so nicht..